Stinker aus dem Verkehr ziehen!
Abgasfernmessung in Mariasdorf
Die Feinstaubproblematik ist im Burgenland nach wie vor ein wichtiges Thema. Grenzwertüberschreitungen im südlichen Burgenland machten die Ausweitung der Burgenländischen Feinstaub-Verordnung auf den Süden des Landes notwendig. „Wir führen Abgasfernmessungen durch, um Stinker aus dem Verkehr zu ziehen und somit die Qualität der Luft zu verbessern“, sagt Umweltlandesrätin Verena Dunst. Es ist als erwiesen anzusehen, dass ein Großteil der Schadstoff auffälligen Fahrzeuge Sicherheitsmängel aufweist.
Die Burgenländische Feinstaub-Verordnung wurde erweitert und zugleich in einigen Punkten novelliert. Damit sind alle notwendigen Schritte zur Verbesserung der Feinstaubsituation nicht nur im mittleren und nördlichen, sondern auch im südlichen Burgenland gesetzt und abgeschlossen worden. Somit ist das gesamte Burgenland als Sanierungsgebiet eingestuft. Der örtliche Geltungsbereich der IG-L VO Nord wurde auf das gesamte Land ausgedehnt. Die Maßnahmen für den Verkehr treten landesweit ab 1. Juli 2008 in Kraft.
„Es ist absolut notwendig, dass wir immer wieder Kontrollen durchführen. Nach wie vor sind Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs, die nicht der Feinstaubverordnung entsprechen, sondern auch gravierende Sicherheitsmängel aufweisen", erklärt Dunst. Die Kosten für die Messungen belaufen sich auf 450,- Euro pro Messtag. Darin sind die Messgeräte, das Personal als auch die Auswertung enthalten.Vier Gutachtenstufen
Die Fahrzeuge werden nach vier Gutachtenstufen überprüft:
- Stufe: ohne Mangel.
- Stufe: leichter Mangel - überprüfte Person wird auf den auf Mangel hingewiesen, darf weiterfahren.
- Stufe: schwerer Mangel - überprüfte Person darf weiterfahren, muss Mangel beheben lassen. Die BH kontrolliert, ob Mangel behoben wurde.
- Stufe: Gefahr in Verzug: Entzug des Kennzeichens, Fahrzeug muss unverzüglich abgestellt werden.
Messungen auch für Verkehrssicherheit relevant
DI Sedelmayer von der Bundesanstalt für Verkehr bringt den Zusammenhang der Schadstoffmessungen mit der Verkehrssicherheit auf den Punkt: „Die letzten Messungen in Güssing haben deutlich gezeigt, dass rund 86% der schadstoffauffälligen Fahrzeuge zusätzlich schwere Sicherheitsmängel aufweisen. Solche Fahrzeuge ziehen wir sofort aus dem Verkehr."
So diene man mit den Messungen nicht nur dem Umweltschutz sondern auch besonders der Verkehrssicherheit, resümiert Sedelmayer.
Insgesamt wird an 15 Tagen an folgenden Prüforten gemessen:
11. - 13. Juli in Güssing (bereits erledigt)
22. - 24. August vor Sieggraben (diesmal)
29. - 31. August Schachendorf Richtung Dürnbach
18. - 20. September S4 bei der Grünbrücke
2. - 4. Oktober bei der Firma Kappel in Mariasdorf
„Die Messungen werden an sicherer Stelle und ohne Verkehrsbehinderungen zu verursachen, durchgeführt", betont Umweltlandesrätin Dunst abschließend und verweist auf die anwesenden Experten vor Ort, die weitere Informationen zum Stand der Messungen geben.
Bundesanstalt für Verkehr
Informationen zur Abgasfernmessung
Die Abgasfernmessung ermöglicht die Erfassung des Emissionsverhaltens von Kraftfahrzeugen im fließenden Verkehr unter realen Bedingungen. Ein wesentlicher Vorteil im Vergleich zu Messungen auf Rollenprüfständen ist, dass sehr viele Fahrzeuge in vergleichsweise kurzer Zeit bei geringen Kosten pro Fahrzeug gemessen werden können, und somit für einzelne Strassenabschnitte kraftstoffbezogene Emissionsprofile aufgrund der an diesem Messort tatsächlich vorhandenen Fahrzeugflotte erstellt werden können. Der Vergleich der Emissionsprofile kann auch als Indikator für den Bedarf bzw. den Erfolg von Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität dienen.

Bild 1: Messaufbau des Abgasfernmessgerätes an einer einspurigen Fahrbahn
Mit dem Abgasfermessgerät können die CO- (Kohlenmonoxid), HC- (unverbrannte Kohlenwasserstoffe), NO- (Stickstoffmonoxid) und Partikelemissionen bezogen auf CO2 (Kohlendioxid) mit einer Messzeit kleiner einer Sekunde für die einzelnen vorbeifahrenden Kraftfahrzeuge gemessen und kraftstoffbezogene Emissionsfaktoren bestimmt werden. Bild 1 zeigt den Messaufbau an einer einspurigen Fahrbahn. Der Messstrahl wird über die Fahrbahn geleitet, am Umlenkspiegel reflektiert und in der Detektoreinheit des Messgerätes ausgewertet. Das Messsystem umfasst auch eine Geschwindigkeits- und Beschleunigungsmesseinrichtung und eine Kamera zur Erfassung der Fahrzeugvorderfront. Die Messdaten werden unmittelbar ausgewertet und auf dem PC dargestellt. Bild 2 zeigt den praktischen Einsatz auf der Autobahn.

Bild 2: Einsatz des Abgasfernmessgerätes auf der Autobahn
Wie sich gezeigt hat, entsprechen die Emissionen von neuen Kraftfahrzeugen im realen Verkehr nicht unbedingt in allen Fahrsituationen wie sich aufgrund der kleiner werdenden Emissionsgrenzwerte erwarten ließe. Insbesondere in Hinblick auf zukünftige Abgastechnologien könnte die Anwendung der Abgasfernmessung zur Überprüfung der Kraftfahrzeuge im Verkehr eine sinnvolle Ergänzung zu bereits bestehenden Fahrzeugprüf- und Kontrollsystemen darstellen. Weiters zeigt sich, dass nur sehr wenige Kraftfahrzeuge sehr hohe Emissionen aufweisen und somit wesentlich zu den Gesamtemissionen aus dem Verkehr beitragen. Um eine nachhaltige und umweltverträgliche Mobilität zu gewährleisten, bietet die Abgasfernmessung die Möglichkeit, derartige hochemittierende Kraftfahrzeuge weitgehend ohne Beeinträchtigung des fließenden Verkehrs zu identifizieren und einer Reparatur zuzuführen.